Ötztaler Radmarathon 2007
Sölden, 26. August 2007 6:15 Uhr: Noch 15 Minuten bis wir (Rod, Steffen, Andreas und ich) und die anderen ca. 4600 “Glücklichen”, die einen der begehrten Startplätze ergattert hatten, auf die Strecke (238 km, 4 Alpenpässe, 5500 Höhenmeter) geschickt werden. Wir vier sind alle das erste Mal dabei und haben nicht wirklich eine Idee, was uns erwarten wird…
Rod, Steffen und ich hatten geplant, den “Ötzi” gemeinsam zu bestreiten, Andreas versuchte sein Glück alleine…
Hier jetzt meine Zusammenfassung der einzelnen Abschnitte (in Klammern unsere benötigte Zeit):
- Sölden-Ötz (00:51:24)
- Ötz-Kühtai (01:19:31)
- Kühtai-Innsbruck (01:03:29)
- Innsbruck-Brenner (01:31:54)
- Brenner-Sterzing (00:51:19)
- Sterzing-Jaufen (01:16:45)
- Jaufen-St. Leonhard (00:54:35)
- St. Leonhard-Timmelsjoch (02:52:10)
- Timmelsjoch-Sölden (00:43:26)
Viel disziplinierter, als wir vermutet hatten, schiesst das Feld Richtung Ötz. Wir rollen einfach mit und machen kurz vor Ötz die erste “Pullerpause”.
Die Auffahrt nach Kühtai kannten wir schon vom Sonnabend und somit wussten wir ungefähr, wie wir uns die Kräfte einteilen mussten. Trotzdem war der Weg nach oben ein einziger Überholvorgang…
Nach einer gemütlichen Pause bei Suppe und Waffeln ging es auf die Abfahrt Richtung Innsbruck. Der Tacho zeigte diverse Male Geschwindigkeiten jenseits der 90 km/h an und somit waren die gewonnen Höhenmeter bald wieder “vernichtet”.
Der “Erklimmung” des Brenners fühlt sich im krassen Gegensatz zum Kühtai gar nicht richtig, wie “Berghochfahren” an. Es ist zwar eine Steigung zu spüren aber diese ist bei Weitem nicht so schlimm, wie der vorangegangene Pass. Bei der Abfahrt hatte Steffen bemerkt, dass seine Kassette locker ist und so mussten wir noch die Hilfe des Materialwagens in Anspruch nehmen, der diese wieder befestigte. Ansonsten fuhren wir locker in diversen Gruppen mit, die aber auch nicht wirklich grossen Druck machten…
Auf dem Brenner genehmigten wir uns wieder eine ordentliche Pause, bis es auf die recht kurze Abfahrt nach Sterzing ging.
Am Jaufenpass wurden es wieder mehr Leute auf der Strecke. Wieder fuhren wir unseren lockeren Stil und überholten permanent. Bis so ca. 3 km vor dem Pass ging das auch recht gut, dann wurde es schon etwas schwerer…
Vor der Abfahrt nach St. Leonhard stand wieder ein recht lange Pause, mittlerweile hatten wir alle drei leichte Magenprobleme. Der permanente Kohlenhydratnachschub bekam meinem Magen nicht wirklich und ich quälte mir eine halbe belegte Schnitte und zwei Stück Kuchen hinein.
Die Abfahrt selber hatte sehr viel Spass gemacht, da hier auch diverse schöne Kurven zu durchfahren waren. Leider ist der Belag der Strasse nicht ganz so gut, glücklicherweise kamen wir alle ohne Pannen ins Tal…
Nun stand uns “nur noch” das Timmelsjoch im Weg. Spätestens hier fängt es an so richtig schwer zu werden. Man hangelt sich von Kilometer zu Kilometer und versucht die “Opfer” am Strassenrand, die sich hier zu Scharen im Schatten sammeln, zu ignorieren. Glücklicherweise befindet sich hier die 4. Verpflegung ca. auf der Hälfte der Auffahrt, wo wir wieder ordentlich Pause machten. Viel ging in meinen Magen aber nicht rein… Der Rest bist zum Gipfel ist da nur noch eine einzige Quälerei. Man tritt nur noch stumpf in die Pedale (3fach sei dank) und hofft auch ein baldiges Ende…
Der Gipfel ist erreicht. Euphorie macht sich breit. Nur noch schnell die Armlinge und die Windweste übergezogen und ab geht es… Die Erwähnung eines gewissen “Gegenanstiegs” zur Mautstation hat man hier vergessen. Dieser wird aber nochmal zur Tortur, obwohl es nur knappe 200 Höhenmeter sind. Aber dann geht es wirklich nur noch bergab bzw. gerade und irgendwann schiesst man am Ortseingangsschild von Sölden vorbei (Rod gewinnt den “Ortssprint”). Dann noch die Zieldurchfahrt und Erleichterung macht sich breit…
Alles in allem muss man sagen, dass das neben “Paris-Roubaix” das bisher härteste Erlebnis auf einem Fahrradsattel für mich war. Ob es eine Wiederholung geben wird, kann ich noch nicht sagen. Da man jetzt aber weiss, was einen erwartet, ist die eine oder andere Zeitverbesserung sicher drin. Nun ja, wir werden sehen…

Schöner Bericht, Glückwunsch!
Welche Nettozeit bist Du gefahren?
Gruß
Lippi
Nettozeit war 9h 51min. Pausen demnach 1h 12min.
Gratulation und Hut ab!
gruß tino,
SCHÖNER BERICHT, schöner tag, schönes event, sogar gutes preis/leistungs-verhältnis.
hoffe,ihr seid gut daheim angekommen und der magen hat sich wieder erholt.
manchmal ist radeln einfach genial. spätestens, wenn man im ziel ist.
schade, dass wir uns nicht länger gesehen haben und bissl quatschen konnten, aber bei den massen…
gruß vom ollen euter
@Vera: Danke!
@Euter: Ja! Schade auch, dass wir uns am Sonntag verpasst haben… So im Nachhinein fand ich es auch total genial! So ein gewisser Stolz ist da auch dabei…
Hoffentlich bis bald mal wieder!
Da kann ich (der nach spätestens 1200Hm am Ende ist) nur sagen:
Respekt^2!!
Glückwunsch an dich die anderen Finisher!
Hätte nicht gedacht, dass man sich bei dem Begängnis am Samstag doch noch mal über den Weg läuft.
Schöner Bericht und für einen ebenfalls Durchgekommenen sehr nachvollziehbar, v.a. was die letzten Kilomter über der Jaufen und das Mistvieh von Timmelsjoch angeht. Hat nicht viel gefehlt, dass mich der Berg aus den Latschen (oder auch Pedalen) gekippt hätte.
Gruß aus Bautzen
@Michael: Du hast es aber auch ordentlich krachen lassen oder? 08h 35min!!! Wow! Respekt!
Danke! Dafür hab ich den Ötzi und v.a. das Timmelsjoch von seiner brutalsten Seite kennen gelernt. Ich fahr da in Zukunft wohl nur noch mit dem Auto hoch
@Michael: Ich denke mal, dass mich der Ötztaler nicht das letzte Mal gesehen hat. Beim zweiten Mal, kann man sicher etwas “befreiter” fahren, da man ja weiss, was einen erwartet… Ob es schon nächstes Jahr wieder sein wird, weiss ich aber jetzt noch nicht…
Hi Tino, das hast du aber toll geschrieben. Wir sind heute auch wieder zu Hause eingetroffen. Bin gestern nochmal von Umhausen aus ca. 1200Hm ausgerollt. Wir haben total viel Glück mit dem Wetter gehabt. Seit Montag regnete es wieder im Ötzi-Tal.
. Bis bald mal wieder, Steffen
Ich wäre für nächstes Jahr auch mal an Paris-Roubaix interessiert und dann gibt es ja auch noch andere Alpenrundfahrten
@Steffen: Paris-Roubaix??? *stöhn* Nee oder?
Hallo Leute,
ich gratuliere euch allen für die Leistung. Der Ötztaler ist sicherlich das härteste was wir Amateure an einem Tag so machen können. Ich hatte einen perfekten Tag und konnte nach 7:44 ins Ziel rasen. Und das mit nur ca. 6000 km in den Beinen. Ich komme übrigens aus Ochsengarten – der kleine Ort vor dem Kühtai.
Würde mich freuen ein paar Radsportverrückte das nächste mal in meinem Gasthof zu treffen. Gerne gebe ich euch dann ein paar Tips.
Herzliche Grüße aus Tirol
Armin
Also viel Spaß noch beim biken
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@Armin: 7h 44min ??? Respekt! Wir haben uns beim Auswertungstreffen vom Ötzi ausgemacht, es nächstes Jahr nochmal zu versuchen… Jetzt wissen wir ja, was uns erwartet!